Ganz am Ende unseres Gesprächs sagt Andrew Manze einen Satz, der einen irritiert zurücklässt. Wir haben zuvor fast zwei Stunden gesprochen, über Brahms, Bruckner, Brexit, über die Hochzeitsreise mit einem Orchester und den richtigen Moment des Abschieds, über den Verlust von Imagination, richtige Tempi und Lieblingsliteratur. Manze ist ein »Maestro«, aber das Gespräch konterkarierte all das, wonach dieses Wort klingt. Er ist das Gegenteil von divenhaft, auftrumpfend, egozentrisch. Er ist ein begeisterter Erzähler, interessierter Zuhörer und zugewandter Gastgeber. Er ist das, was die Engländer »witty« nennen, was viel besser passt als das deutsche »geistreich«, weil ihm der Schalk im Nacken sitzt. Ich hatte Manze zuvor ein paarmal in Konzerten erlebt, die mich beeindruckt hatten in ihrer Frische und Spontaneität, und die ganz unverkennbar seine Handschrift trugen. Ich kannte seine frühen Aufnahmen als Geiger, die ein fast anarchischer Geist durchzieht. Ich kannte ihn auch aus Gesprächen mit anderen Musikern. Kaum ein Name wird so oft genannt, wenn die Rede auf Kollegen kommt, mit denen man gerne wieder oder gerne einmal arbeiten würde. Es war also höchste Zeit für ein Treffen. Bei der Verabschiedung sagt Manze: »Als ich hörte, dass Sie kommen, dachte ich: ›Gosh, ich bin doch gar nicht interessant genug. Das wird bestimmt ein sehr farbloser Artikel‹«. Was ist das bloß für ein Dirigent, der sowas sagt?

Andrew Manzes bisherige Musikerkarriere spannt sich über zwei Leben. Beide fließen ineinander, sie sind bis heute unter der Oberfläche miteinander verwoben. Wer sich mit Manze beschäftigt, versteht, dass das erste Leben unweigerlich in das zweite münden musste. Gleichzeitig hat er beide mit einer Konsequenz voneinander getrennt, die viel darüber aussagt, was Musik ihm bedeutet.

